Aktuell  (16.05.2018) PHSA 2018

Promoção Humana Santo Antônio 2018 (PHSA)

(Bericht des Besuchsteams des Brasilienkreises „St. Heinrich“, Marl)


PHSA = Promoção Humana Santo Antonio (Organisation zur Förderung der Menschenwürde)


Fünf Mitglieder unseres Kooperationspartners „Brasilienkreis St. Heinrich, Marl“ haben im vergangenen Sommer den Nordosten Brasiliens bereist, unter anderem auch die PHSA in Campina Grande besucht. In der letzten Ausgabe haben wir schon ihren interessanten Bericht in gekürzter Fassung veröffentlicht. Der ausführliche Bericht enthält besonders für neuere Leser aber viele wichtige Details über die PHSA, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen.


Erste Eindrücke

Mit dem Nachtbus bewältigten wir die Entfernung Juazeiro/Bahia und Campina Grande/Paraiba und kamen dort um 9.00 Uhr am Busbahnhof an.

Die Schuldirektorin Valberlene von der PHSA holte uns ab und brachte uns morgens zunächst in die Unterkünfte. Sofort waren wir in der brasilianischen Wirklichkeit angekommen: Der Wasserhahn lieferte kein Wasser. Wir erfuhren, dass in der 400.000-Einwohnerstadt vier Tage in der Woche das Wasser abgesperrt ist. Infolge der jahrelangen Dürre sind die Wasserspeicher der Stadt leer. Zum Duschen stand Wasser in einem Eimer bereit.


In der PHSA

Nach dem Mittagessen bei Maria Gorete, der Direktorin der PHSA beginnt die zweitägige Erkundung des Projektes. Sie führt uns zuerst durch die Räumlichkeiten.

In der Küche treffen wir die Köchin Lourdes. Sie ist für da Kochen am Nachmittag zuständig.

Wir sehen die Kursräume. Dienstags und donnerstags kommen die schwangeren Frauen zu ihren Treffen, an den anderen Tagen die Frauen, die in Handarbeit (für Nebenverdienst) ihre Kurse haben.


Im Zimmer der Ärztin warten Mütter auf die Untersuchung.


Die Kinderärztin Dr. Maria Pereira ist schon 23 Jahre im Projekt ehrenamtlich tätig. Sie untersucht die Babys und Kinder bis zum 3. Lebensjahr. Sie kommt einmal in der Woche, nachmittags und führt etwa zehn Untersuchungen durch. Beruflich ist sie in einer Notfallambulanz und auf einer Kinderstation im Krankenhaus tätig.


Der Schulbetrieb

Die Kinder mit ihren Lehrerinnen begrüßen uns in der relativ großen, langgestreckten Aula mit einem Begrüßungslied. Die Kinder können dann ihre Pause auf dem Schulhof genießen. Er ist schmal, sehr lang und viel zu klein.


Der Besuch, mit den Kindern der Klasse 4 auf dem Schulhof


Bevor wir die Kinder in ihren Klassenräumen besuchen, gehen wir noch in das „Laboratorio da Informática“, den Computerraum. Dort üben gerade Kinder, die Lernprobleme haben, mit unterschiedlichsten Lernprogrammen. Die Lehrerin Ivonete erzählt uns, dass alle 280 Kinder der PHSA Computerunterricht erhalten. Die Kinder nehmen die Lernprogramme gerne an. Kaum jemand hat aber zuhause einen Computer. Wir erfahren, dass das Land Pa-raiba die Geräte finanziert hat, die Schule aber die Installation übernehmen musste.

Anschließend besuchen wir einige Klassenräume.

Beim Mittagessen ist auch Maria Suely, die Schwägerin von Maria Gorete dabei, eine lebenslustige und herzliche Frau, die ehrenamtlich in den Bastelgruppen mitarbeitet. Sie zeigt uns anschließend den Raum für die Nähgruppe.


An 13 Nähmaschinen lernen Frauen nähen


Das Interesse an diesem Kurs ist sehr groß. Viele Bewerberinnen müssen auf den Kurs im nächsten Jahr vertröstet werden. Die Stoffe bringen die Frauen selbst mit.

Danach zeigt uns eine jugendliche Bastelgruppe ihre Erzeugnisse. Jeder von uns bekommt ein kleines gebasteltes Geschenk - eine schöne Erinnerung.


Als Ausgangsmaterial verwenden die Jugendlichen in diesem Kurs Tetrapack


Im Stickkursus ist noch Luft nach oben


Eliete, die Betreuerin der schwangeren Frauen, lässt uns an ihrer Tätigkeit teilhaben. Diese Arbeit ist im sozialen Bereich der wichtigste Teil des Projektes. In diesem Jahr werden 25 schwangere Frauen im Alter von 15 bis 38 Jahren betreut. Sie kommen alle aus dem unmittelbaren Einzugsbereich der PHSA, oft aus sozial schwachen Familien, mit Alkohol-, Drogen- und Gewaltproblemen. Manche Väter sind arbeitslos. Weil die Kinder noch drei Jahre ärztlich betreut werden, sind die begleitenden Flausbesuche durch Eliete eine gute Möglichkeit der positiven Einwirkung auf die Familie.


Eliete (oben links) mit den schwangeren Frauen


Abschlussgespräch


Teilnehmerinnen:

Maria Gorete, Direktorin der PFISA Valberlene, Direktorin der Schule und Eliete, Sozialarbeiterin und Betreuerin der Schwangeren. Eliete ist die Frau der ersten Stunde. Als 1992, Pater Fernando vom nahe gelegenen Franziskanerkloster Lagoa Seca, die PHSA gründete, war Eliete als Direktorin seine „rechte Hand“.

2007 übergab Pater Fernando aus Gesundheitsgründen die PHSA in die Trägerschaft des Bistums Campina Grande. Danach übernahmen Pädagoginnen die Leitung der PHSA.


Das Bistum leistet keine Beiträge zur Finanzierung, lässt aber dem Finanzrat freie Hand. Den Finanzrat bilden: die beiden Direktorinnen, Pfarrer Antonio Nelson von der zuständigen Pfarrgemeinde „Nossa Senhora de Fatima“ als Präsident und die Sekretärin.

Die Brasilien-Initiative Nordestino e.V. überweist jährlich für die Arbeit der PHSA 18.600 Euro. Darin ist unser Beitrag von Marl in Höhe von 4.000 Euro enthalten.

Die PHSA leistet davon Zuschüsse für die Schulspeisung, die vom Land unzureichend finanziert wird.


Die Schule hat einen anderen Träger: die Stadt Campina Grande. Sie bezahlt die beiden Direktorinnen, die Lehrerinnen, den Hausmeister, eine Psychologin und eine Supervisorin (Kontrollinstanz der Stadt Campina Grande, die noch eine andere Schule betreut), insgesamt 24 Personen.

Die Schulbücher werden vom Land Paraiba bezahlt, die Schulkleidung von der Stadt Campina Grande.

Es werden 280 Kinder der Schuljahre 1 - 5 unterrichtet und zwar in zwei Schichten, jeweils morgens und nachmittags. Nach dem 5. Schuljahr wechseln die Kinder auf staatliche Schulen, wo ihnen dann die beschützende Atmosphäre der PHSA sehr fehlen wird.

An der Schule gibt es einen Kinderrat. Ihm gehört jeweils ein Kind ab 9 Jahre aus jeder Klasse an. Der Kinderrat wird bei der Wahl der Schulleitung gehört.

Schließlich gibt es noch einen Schulrat. Ihm gehören an: die Schuldirektorin, 3 Lehrerinnen, 2 Mütter, 1 Angestellter und zwei Schüler.

Die Eltern bezahlen kein Schulgeld, müssen sich aber mit ins Schulleben einbringen, z. B. bei Veranstaltungen wie Basaren, usw., durch die sich die PHSA zusätzliche Geldmittel beschafft


Die Schuldirektorin wird vom Schulrat und vom Kinderrat für drei Jahre gewählt. Wiederwahl ist einmal möglich.

Für die beiden Führungskräfte Valberlene und Maria Gorete läuft 2018 satzungsgemäß die Möglichkeit aus, die Schule weiter zu leiten, weil eine Wiederwahl nicht möglich ist. Maria Gorete bekleidete das Amt der Schuldirektorin 2x3 Jahre von 2007 bis 2012 und Valberlene 2x3 Jahre von 2013 bis 2018. Pater Antonio Nelson, Präsident der PHSA, bemüht sich darum, dass das Erfolgsduo weitermachen darf. Schließlich nimmt die Schule im Ranking aller Grundschulen der 400.000-Einwohner-Stadt Campina Grande seit Jahren den 1. Rang ein.

Gelingt dem Präsidenten die Änderung der Satzung nicht, bleiben beide als Lehrerinnen der PHSA erhalten.


Die beiden erfolgreichen Direktorinnen Valberlene (I.) und Maria Gorete

bei einem Besuch 2017 in Wesel


Unser Fazit:


Die Familien von Maria Gorete und Valberlene haben uns sehr freundlich, sogar herzlich aufgenommen.

Die PHSA ist sehr gut strukturiert und hat eine engagierte Leitung, aber auch ebenso engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die Schule steht Kindern aus armen Familien offen. Kinder aus Familien mit geregeltem Einkommen haben keinen Anspruch aufgenommen zu werden. So vermittelt die PHSA der einfachen Bevölkerung genau das, was sie für die Auseinandersetzung in der Gesellschaft der Geld- und Machtelite am meisten braucht: Bildung!


(Bericht:Das Besuchsteam des Brasilienkreises „St. Heinrich“, Marl)